A friend writes :

Zum Beispiel koennte ich ueber eine recht schillernde Figur der hiesigen Mixed-media-szene berichten,die sich eventuell in Europa bisher noch nicht einen Namen machen konnte: John Baalbek.

Ich habe mit ihm hier in Seoul oft Kontakt.Ich finde seine Einstellung & Arbeit sehr spannend.In diversen Gespraechen konnte ich auch recht viel ueber den Background der traditionellen Coreanischen Kultur erfahren.So ist z.B. der Name John Baalbek (s)ein Kunstname.Viele Coreanische Businesspeople,die im Umgang mit westlichen Geschaeften stehen,haben sich westliche Vornamen gegeben und manchmal auch ihre Nachnamen „frisiert“.Coreanische Namen sind allgemein fuer Wessis schwer auszusprechen und ebenso schwierig einzupraegen.Deswegen neigen sich smarte Seouler Kaufleute den westlichen Gebraeuchen & Gepflogenheiten zu.Eine andere Eigentuemlichkeit ist,dass in Corea der Nachname zuerst genannt wird.Das hat bereits bei einigen Coreanischen Celebrities wie Nam June Paik,Isang Yun oder auch Kim Jong-Il zu Verwirrung gefuehrt,da Paik,Yun und Kim hiesige Nachnamen sind und eigentlich durchgehend zuerst geschrieben sein sollten.Auch wird in Europaeischen Nachrichten aus Unkenntnis fast durchweg der Vorname des Nordcoreanischen Diktators,Jong-il,nicht wie „Dschong-il“ ausgesprochen,was phonetisch korrekt waere,etc.
Der Kuenstler John Baalbek hat bereits in der Wahl seines Pseudonyms eine Geschichte zu erzaehlen: „Cheon“,ein in Corea ueblicher Nachname,wie beschrieben traditionell an erster Stelle,wird zum westlichen Vornamen „John“ – beides ist phonetisch gleich.Der Familienname Cheon ist im alten „kastenaehnlichen“ Corea ein Name niederer Herkunft.So trugen etwa Seemaenner,Knechte,Metzger und Mudangs (Schamaninnen) oft den Namen Cheon,aehnlich zu deutschen Namen wie Schneider,Mueller,Schuster etc.,die wohl auf eine fruehere Handwerkerherkunft deuten.Allerdings sind diese Berufe im westlichen Umfeld nicht mit negativen gesellschaftlichen Aechtungen behaftet,anders als die oben erwaehnten Coreanischen Berufe.
Andererseits deutet ein Nachname wie „Paik“ (gesprochen:Pek,oder Beck) historisch verstanden eher auf einen gehobenen Gesellschaftsstand in Corea.Insofern hat John Baalbek trickreich einen Nachnamen – so wie Nam June Paik – fuer westliche Gebraeuche ans Ende gestellt: John Baal-Bek.Natuerlich ist er sich sowieso ueber die Doppelbotschaft in seinem Namen zur antiken Staette im Libanon bewusst,auf die er sich auch immer wieder partiell in seinen Arbeiten unter vielem anderen bezieht.
Last not least bedeutet der Kunstname „John Baalbek“ phonetisch im Coreanischen „Eintausendachthundert“ und beruft sich in multiassoziativem Spiel auf die in Asien magischen Ziffern 1 & 8,ob als „18“ (als Glueckszahl besonders in Japan beliebt) oder als „108“ (die 108 Begierden,beschrieben im Buddhismus).

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Cheon Baal Beck / John Baal Paik /